Umruestung auf Erdgas

Mit anhaltend hohen Benzinpreise hält der Trend zur Umrüstung auf Gasantrieb weiter an.

Bei den TÜV SÜD Service-Centern hat sich die Zahl der Begutachtungen von Gas-Nachrüstanlagen im 1. Halbjahr 2008 mehr als verdoppelt. Die Experten von TÜV SÜD haben die am häufigsten gestellten Fragen zur Umrüstung zusammengefasst und geben Antworten.

Starker Trend:

Immer mehr Autofahrer rüsten um. Wurden an den Service-Centern von TÜV SÜD in den ersten 6 Monaten des Jahres 2007 bei 2140 Autos Gas-Nachrüstlanlagen begutachtet, war die Zahl im 1. Halbjahr 2008 mit 4890 mehr als doppelt so hoch: "Ein Ende dieses starken Trends ist nicht absehbar", sagt TÜV SÜD-Experte Johann Meyer. Auf das sollten die Umrüstwilligen achten:

Sorten:

Als Kraftstoff sind Erdgas und Autogas/Flüssiggas gebräuchlich. Weil man ein Auto nur mit einem von beiden betreiben kann, muss man sich vorher entscheiden: CNG (Compressed Natural Gas) bezeichnet Erdgas, das auch im Haushalt verwendet wird. An ausländischen Tankstellen steht oft auch nur Methan, abgekürzt: "M". Die Abkürzung LPG (Liquified Petroleum Gas) steht für Flüssiggas, meistens Autogas genannt. Dabei handelt es sich um ein Nebenprodukt, das bei der Erdölraffination entsteht.

Preise:

Für Erdgas gilt das Gewicht als Grundlage für die Preisauszeichnung. 1 kg dieses Gases bringt das Auto ungefähr so weit wie 1,5 Liter Superbenzin. Wegen der großen Preissprünge beim Benzin sind exakte Vergleiche schwer. Im Schnitt kostet das Fahren mit Erdgas aber rund die Hälfte gegenüber Benzin.

Flüssiges Autogas scheint an der Preistafel zunächst noch preiswerter zu sein. Es wird allerdings wie Benzin per Liter berechnet und der Autofahrer muss nahezu 2 Liter Autogas kaufen, um die gleiche Energiemenge wie bei 1 kg Erdgas zu erhalten. Unter dem Strich ist Autogas nach den Erkenntnissen von TÜV SÜD deshalb rund 30 Prozent teurer als Erdgas.

Nachrüsten:

Die Umrüstung auf Autogas ist einfach und kostet normalerweise zwischen 1.800 und 3.500 Euro, je nach Modell. Inzwischen bieten Umrüster Gaslösungen für alle gängigen, auch ältere Fahrzeugtypen an. Grundsätzlich lassen sich alle Benziner – selbst solche mit Vergaser – umrüsten. Je nach Modell können die Kosten aber auch stark steigen, weil beispielsweise Spezialanfertigungen nötig werden. Bei den momentanen Benzinpreisen gilt die Faustregel: Wer nur wenige 1.000 km im Jahr mit einem sparsamen Otto-Motor zurücklegt, fährt immer noch billiger mit Sprit.

Mit Kosten bis zu 5.500 Euro ist die Umrüstung auf Erdgas aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu empfehlen. Viele Hersteller bieten aber inzwischen Neufahrzeuge mit Erdgasbetrieb an. Sie sind rund 2.800 bis 5.500 Euro teurer als Benziner. Vereinzelt sind sie aber zum gleichen Preis erhältlich wie ein Diesel. Perfekte Integration der Gastanks, die hohen Standards der Erstausrüstung und die Werksgarantie machen diese Lösung nach Meinung von TÜV SÜD besonders attraktiv.

Mono und bi:

Manche Erdgasfahrzeuge sind auf Gasbetrieb optimiert. Die Fachleute von TÜV SÜD sprechen dann von monovalentem Antrieb. Das Fahren mit Benzin ist bei ihnen nur eine unwirtschaftliche Notlösung und sie haben dafür auch nur einen kleinen (Reserve-) Tank. Bivalente Autos verbrauchen im Gasbetrieb etwas mehr als monovalente, fahren aber auch mit Benzin wirtschaftlich. Sie sind besonders für Autofahrer geeignet, die häufig in Gegenden mit wenigen Gastankstellen unterwegs sind.

Abgas:

Von allen fossilen Kraftstoffen weist Erdgas die günstigste Kohlendioxid-Bilanz auf: Im Vergleich zu einem Benziner verursacht es bis zu 25 Prozent weniger CO2 und trägt bis zu 80 Prozent weniger zur Smogbildung bei. Zusätzliche CO2-Einsparung wird durch die Beimischung von Biogas erreicht. Viele Erdgas-Anbieter mischen schon: Bei den Münchner Stadtwerken zum Beispiel ist 20% Biogas im Erdgas. Der Ausstoß von Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid sowie Ruß- und andere Partikelemissionen werden beim Erdgas-Betrieb nahezu vollständig vermieden. Das wird bei Neufahrzeugen mit Gasantrieb auch im Fahrzeugschein vermerkt.

Feinstaubplakette:

Die Umrüstung auf Gas hat auch bei älteren Fahrzeugen keinen Einfluss auf den Abgasschlüssel, der Grundlage für die Plakettenvergabe ist. Nur bei Neufahrzeugen, mit werkseitig eingebautem Gasantrieb, werden andere Schlüssel vergeben, die bei künftigen Gesetzesänderungen – beispielsweise einer CO2-abhängigen Besteuerung – zum Tragen kämen.

Garantie:

Wer auch im Gasbetrieb auf vollständige Gewährleistung nicht verzichten will, sollte nur werkseitig umbauen lassen. Hierzulande bieten vor allem Ford, Opel und VW solche werkseitigen Umbauten in eigens gegründeten Tochterunternehmen an. Das gilt für beide Gasarten. Motoren und andere Komponenten sind bei diesen Fahrzeugen für den Gasbetrieb optimiert, so sorgen zum Beispiel härtere Kolben und Ventilsättel für ausreichende Stabilität bei der (mit 105 Oktan) heißeren und trockeneren Gasverbrennung. Bei freien Umrüstern hingegen ist die Gewährleistungslage eher unübersichtlich, wissen die TÜV SÜD-Experten. Fahrzeughersteller schließen oft jegliche Gewährleistung nach einem solchen Umbau aus.

Sicherheit:

Entgegen häufiger Befürchtungen ist der Gasantrieb sicher. Statistisch brennen entsprechende Autos sogar seltener als solche mit konventionellen Kraftstoffen. Explodieren kann ein Gastank gar nicht; Notventile lassen den Inhalt entweichen, bevor es zu einer Explosion kommen kann. Er verbrennt dann zwar, aber ohne Verpuffung. Weder Erd- noch Flüssiggas sind giftig. Keine Gewähr für die Sicherheit hingegen bei Billiganbietern: Die Experten von TÜV SÜD warnen dringend davor, Fahrzeuge von Billigstanbietern umrüsten zu lassen. Eine gute Orientierung bietet die ECE-Norm 115. Wird danach umgebaut, ist man auf der sicheren Seite, weil sich die Norm nicht nur auf alle Komponenten bezieht, sondern das gesamte System und die Kompatibilität mit dem jeweiligen Fahrzeugtyp beinhaltet.

Tankstellen:

Autogas gibt es an rund 3000 Stellen in Deutschland, die liegen oft abseits gewohnter Spritquellen. Beim Erdgas sind es erst rund 800, aber die Zahl steigt schnell. Zudem wird Erdgas hauptsächlich an üblichen Markentankstellen ausgeschenkt.

Tanken:

Ausgeklügelte Ventile stellen sicher, dass beim Tanken kein Gas entweichen kann. Auch kann niemand versehentlich die falsche Gassorte tanken. Die Tankschläuche würden schlicht nicht passen.

Parken:

Nur noch wenige Tiefgaragen verbieten die Einfahrt mit Gasautos. In aller Regel meinen die Betreiber dann auch nur Autogas, das schwerer als Luft ist und nicht nach oben entweichen kann.

Steuer:

Bis 2018 will sich der Fiskus beim Gas zurückhalten. Bei der Kraftfahrzeug-Steuer gelten die im Vergleich zum Diesel deutlich günstigen Sätze für Benzinmotoren.

Förderung:

In fast allen Regionen Deutschlands fördern örtliche Erdgasversorger den Kauf eines Erdgasautos. Manche zahlen einen direkten Zuschuss, andere geben eine bestimmte Menge Gas kostenlos ab. Es handelt sich um durchaus nennenswerte Beträge von nicht selten 500 bis 1.000, in Einzelfällen sogar bis zu 2.000 Euro.



Infoquelle: autosieger.de

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