Der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann von Bündnis 90/Die Grünen fordert in einer Pressemitteilung die Landesregierung in Baden-Württemberg auf die Bürger und Gemeinden über ein offenbar seit längerem geplantes Erdgas-Erkundungsverfahren in der Bodenseeregion zu informieren. Knapp zwei Monate vor der Landtagswahl hat Lehmann somit ein brisantes Thema ins Gespräch gebracht.
Das britische Unternehmen 3Legs Resources hat schon 2009 zwei Lizenzen zur Erkundung von so genanntem unkonventionellem Erdgas erhalten, so Lehmann.
Die Erkundungsgebiete befänden sich direkt in der Bodenseeregion und beanspruchten eine Fläche von etwa 2500 Quadratkilometern. Über die Pläne wüssten aber weder die betroffenen Bürger noch die Gemeinden Bescheid. „Aufgrund der Nähe zum Bodensee ist es zwingend erforderlich, dass ein transparentes Genehmigungsverfahren stattfindet, welches eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorsieht“, so Lehmann.Infoquelle:
Unkonventionelles Erdgas ist schwer zugänglich und wird mit Hilfe einer Tiefbohrtechnik gefördert, die sich „Hydraulic Fracturing“ oder kurz „Fracking“ nennt. Dabei werden mit Hilfe von Sand, Wasser und Chemikalien Gesteinsschichten aufgebrochen, um an das Erdgas zu kommen. Die Methode wurde bislang vor allem in den USA angewandt und ist nicht unumstritten. Einer aktuellen Studie des Tyndall Centre der Universität Manchester zufolge sollen 58 der 260 in den USA bei Gas-Bohrungen eingesetzten Chemikalien bedenklich für die Umwelt, teils giftig und krebserregend sein. Problematisch sei überdies die Entsorgung des Bohrwassers, sagen die Wissenschaftler.
Hendrik Roggendorf, Leiter des Amts für Baurecht und Umwelt im Landratsamt Konstanz, bestätigt die Vergabe der Lizenzen an das britische Unternehmen. Er schränkt allerdings ein: „Eine konkrete Erkundungserlaubnis ist mit der Entscheidung des Regierungspräsidiums nicht verbunden.“ Dafür, dass schließlich gebohrt werden dürfe, sei eine gesonderte Entscheidung erforderlich. Das Regierungspräsidium Freiburg konnte gestern keine detaillierte Stellungnahme mehr abgeben. Pressesprecher Joachim Müller-Bremberger sagt allerdings: „Ein Unternehmen darf erst dann explorieren, wenn es einen genehmigten Betriebsplan hat.“ In diesem Betriebsplan, für dessen Genehmigung die Landesbehörde zuständig sei, müsse zunächst nachgewiesen werden, dass keine Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen.
Nach SÜDKURIER-Informationen ist eine Gruppe besorgter Bürger im Landkreis Konstanz bereits dabei, Details über mögliche Bohrorte in der Region herauszufinden. Offenbar sind vier Bohrungen in der Bodenseeregion geplant, unter anderem in Hohenfels, in Konstanz und in Meersburg.
http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/kreis-konstanz/Lehmann-kritisiert-Erdgas-Planungen;art372432,4703626
